Kunsthandwerk

In der Frühzeit des Museums war die Sammlungspolitik auf den Bereich "Kunst und Gewerbe" ausgerichtet. Erst nach und nach verlagerten die Aktivitäten sich auf die Kunst und die Kulturgeschichte. Kunstgewerbliche oder kunsthandwerkliche Objekte machen daher einen großen Bestandteil der Schenkungen der Museumsgesellschaft aus. Beim alten wie beim zeitgenössischen Kunsthandwerk liegen Entwurf und Ausführung in einer Hand. Bei den älteren Manufakturarbeiten wurden Kleinserien nach einem Entwurf in Handarbeit hergestellt. In diese Kategorie fallen Sammlungsstücke aus unterschiedlichen Materialbereichen. Auch die separat beschriebenen Silberarbeiten können dem Kunsthandwerk zugerechnet werden.

Schminkschatulle / Reiseapotheke

__________Schenkung 1909_________

Koblenz, um 1700 • Beschau: Stadtwappen Koblenz;Meistermarke: I O M (Name unbekannt) • Silber, Glas, Holz • 29 cm x 38 cm x 31 cm (geschlossen) • 67 cm x 45 cm (geöffnet) • erworben aus Privatbesitz  

 

Die Schatulle ist von außen mit Silberblech überzogen, die Ecken und die Mitte sind mit von unten nach oben durchlaufenden Ornamentranken verziert. Über der profilierten Standplatte, die auf vier Füßchen ruht, befindet sich das leicht geschwungene Unterteil mit Schublade, darin sind ein Tintenfass und ein Sandstreuer verstaut. Auf dem reich ornamentierten Deckel ist eine kleine Schatulle eingelassen. Aufgeklappt erscheint der Kasten wie eine zierliche Kommode. In den Schubladen befinden sich eine Pinzette und eine Feinwaage. Sechzehn kleine Döschen aus vergoldetem Silber, vierzehn Fläschchen und zwei Schalen aus Rubinglas mit silbervergoldeten Deckeln bzw. Standfüßchen enthielten verschiedenartige Pulver oder Kräuter, Öle und andere Ingredienzen, die mit Hilfe der Feinwaage präzise gemischt und mit Stößel und Mörser zerkleinert werden konnten. Der Deckel der Schatulle birgt im Innern einen Spiegel, der in den Ecken von vier Putten, welche die Elemente darstellen, umgeben ist.

 

Eine genaue Unterscheidung zwischen einer Reiseapotheke oder Schminkschatulle ist nicht möglich und vielleicht auch nicht nötig, da der Inhalt der Gefäße sowohl der Gesundheit als auch der Schönheit dienen konnte.

 

Im 18. Jahrhundert gehörten häufige und ausgedehnte Ortswechsel und Reisen zu den Gepflogenheiten adeliger Kreise. Um nicht auf den gewohnten Kornfort verzichten zu müssen, führte man kostbares Reiseservice, Kosmetika oder Arzneimittel in edlen kastenartigen Behältnissen mit.

 


Steinzeughumpen

__________Schenkung 1937_________

Siegburg, um 1700 • Steinzeug; Silber • 21,5 cm x 13 cm •    

Hildesheimer Beschau • 1705; Meistermarke •“C K“= Christian Kretzer II Junior, Meister seit 1684 • gest. 1735 • erworben aus dem Kunsthandel

 

Der große Krug aus grauem bis hellbraunem Steinzeug mit Salzglasur ist mit einem am Henkel befestigten Silberdeckel versehen. In der Deckelmitte befindet sich eine Münze

(1 Thaler) mit der Darstellung des heiligen Andreas und der Inschrift: „SANCT ANDREAS REVIVISCENS“ (Sankt Andreas der Wiedererstandene).

Auf der Rückseite trägt sie das Osnabrücker Wappen von 1695 und die Inschriften:

„ERNEST: AUG: D(EI) G(RATIA) D(UX) BR(UNSVICENSIS): & : UN(EBURGENSIS) : S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) ELECT(US ) : EP : OSN(ABURCK)“ = Ernst August durch Gottes Gnaden Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, des Heiligen Römischen Reiches Kurfürst, Bischof von Osnabrück“ und „H B“ = Heinrich Bonhorst, Münzmeister in Celle 1675-1711.


Krug

__________Schenkung 1938_________

 

 angeblich aus Minden • etwa 18. Jahrhundert • Fayence •

33 cm x 19,5 cm • erworben aus Privatbesitz

 

Auf der Vorderseite des großen konischen Kruges, der mit einer weiß-grünlichen Glasur überzogen ist, sind zwei fanfarenblasende, puttenartige Satyren in Halbrelief aufgelegt.

 

Dazwischen befindet sich ein Abguss eines Medaillons mit dem Bildnis Gutenbergs (Jahreszahl 1526). Rechts und links vom tordierten Henkel sind zwei mittelalterliche Siegelabdrücke angebracht. Der Deckel ist mit einem spitzen, zapfenartigen Knauf versehen.

 

 


Zwei Leuchter

__________Schenkung 1938_________

Westfalen, 19. Jahrhundert, Zinn, 85,5 cm x 15,5 cm, erworben aus Privatbesitz

 

Auf drei Kugelfüßen steht der geschnörkelte Fuß mit dem hohen säulenartigen Schaft, der mehrere Einziehungen aufweist und mit Ranken und Akanthusblättern verziert ist. Auf dem Fuß sind je zwei Kartuschen mit dem Christusmonogramm ,“1 H S“ („Jesus“) und ein Relief mit der Mutter Gottes und dem Christuskind mit Kreuz auf Wolken angebracht. Ein breiter Lichtteller diente zur Aufnahme der Kerzen. Die Leuchter stammen ursprünglich aus einem westfälischen Kloster.

 

 


Schäferpaar unter einem Baum

__________Schenkung 1959_________

Ludwigsburg, um 1760-1770 • Marke „C C“

Spiegelmonogramm (Monogramm des Herzogs Carl Eugen

von Württemberg 1728-1793, Gründer der Porzellan- manufaktur in Ludwigsburg ) Modell: Johann Christoph Haselmeyer, Bossierer und Modelleur ab 1760 in Ludwigsburg

Malersignatur: „D C Sausenhofer“ = Dominikus Christian Sausenhofer (1727-1802), Maler in Ludwigsburg ab 1760 • Porzellan, mehrfarbig bemalt • 19cm x 21,5cm x 17,5cm • erworben aus einer Galerie in Hamburg

 

Die Porzellangruppe stellt einen Schäfer und eine Schäferin dar, die im Freien musiziert haben. Ihre verschlungene, gleichzeitig offenherzige Haltung spiegelt die Idee sexueller Freizügigkeit wieder, die im 18. Jahrhundert beliebt war.

 

Figürliche Porzellangruppen gehörten zum Prunkgeschirr des Adels, der sich im 18. Jahrhundert neben den internationalen Geschäften als Ausgleich dem Landleben widmete.

 

Besonders die bäuerliche Welt, die nach den Vorstellungen des Adels ungezwungen und idyllisch-romantisch erschien, ist ein sehr beliebtes Motiv solcher Porzellanfiguren.

 

 


Terrine

__________Schenkung 1964_________

 

vermutlich in Frankfurt hergestellt, Mainzer Form von 1762 • erworben aus Dortmunder Privatbesitz

  

Der geschwungene Gefäßkörper der Terrine ist von ovaler Grundform und ruht auf einem gewellten, schmalen, durch-brochenen Fuß. Die Gefäßwandung und der geschweifte Deckel sind mit Rocaillen, Kartuschen und Godronierung verziert. An den Schmalseiten sind zwei durchbrochene Rocaillehenkel angebracht. Der massiv gegossene Deckelknauf ist in Form einer ornamental verzierten Vase ausgestaltet.

 

Derartige elegante Terrinenformen erfreuten sich im 18. Jahr-hundert großer Beliebtheit. Das Vorbild dieser Terrinen stammt vom Mainzer Zinngießer Sebastian Ferber, der sie 1762 als Meisterstück anfertigte. Sie sind überwiegend von Frankfurter Zinngießern in verschiedenen Größen nachgebildet worden. 

Die Terrinen gelangten oft ungestempelt an die unterschied-lichsten Orte. Dort wurden sie mit den jeweiligen Stadtmarken versehen, d. h., der Zinngießer am Ort übernahm die Garantie für den Zinngehalt der Ware, hier der Dortmunder Zinngießer Jocknack, dessen eigene Waren diese Qualität nicht erreichten. Dennoch lässt auch dieses Stück die wahre Eleganz des ursprünglichen Entwurfes vermissen.

Solch anspruchsvolle Zinngegenstände imitieren oft das wert-vollere Silber und verlieren bei der Übertragung in weichere unedle Metalle ihre klare Formensprache.

Sie belegen die Übernahme adeliger Tischkultur in bürgerliche Kreise.

 

 


Becher

__________Schenkung 1985_________

 

Bodenfund aus Holland, Amsterdam (?), um 1600 • Waldglas • 8,3cm; • erworben aus Privatbesitz

 

 Dieser kleine konische Becher aus blaugrünem Glas, auch „Berkemeyer“ genannt, ist mit aufgesetzten Dornenpuppen und Tropfenfuß ausgestattet. Zwischen dem konischen Oberteil und dem Schaft sind Reste eines aufgelegten Glasfadens zu erkennen. Der Boden ist konisch nach innen gewölbt. Berkemeyer gehören zu den beliebtesten Trinkgefäßen des 16. und 17. Jahrhunderts.

 


Kelch

__________Schenkung 1995_________

Halle, um 1922 • Kupfer getrieben Maleremail • 23,2 cm; 13,5

cm (Dm oben) • erworben aus Privatbesitz •

 

Der glockenförmig geschwungene Fuß und die konische Cuppa dieses Emailkelches sind durch den wulstartigen Nodus getrennt. Die Verzierung besteht aus Streifendekor, gegenläufig zur Kelchform angebracht, und geometrischen Mustern wie Dreiecke, Kreise, Rechtecke und Kreisbögen in verschiedenen Blautönen sowie den Farben grau, rot, gelb und rosa zusammen. Die Innenseite der Cuppa ist aus rosa Email. Klara Maria Kuthe, verh. Tarnay (geb. 1894 in Aschersleben, gest. 1981 in Wardsboro/USA), war von 1915-1918 Schülerin an der Handwerkerschule in Halle. Die Jahre zwischen 1918 und 1921 verbrachte sie abwechselnd an den Kunstgewerbeschulen in Wien und Halle. Von 1921-1925 übernahm sie die Leitung der Emailwerkstatt in der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein. Nach ihrer Heirat siedelte sie nach Salzburg um. 1926/27 leitete sie noch einmal einen Sonderkurs für Email in Halle, Burg Giebichenstein.

 


Schmuckdose

__________Schenkung 1996_________

Halle, 1921 • Messing, Almandin • 3,0 cm; Dm 6,5 cm; 97,31 g • erworben aus Privatbesitz

 

Den Deckel der achteckigen Dose verzieren getriebene und kreisförmige, aus Flachdraht aufgelötete, vegetabile Ornamente. Auf den acht Seiten sind feine, flache Drähte in bizarrer Art Deco-Manier aufgelötet. Der Verschluss besteht aus einem Rubin oder Almandin in Cabochonschliff. Ein Scharnier verbindet Ober- und Unterteil. Die Innenseite der Schmuckdose ist mit grauem, unterpolstertem Samt gefüttert. Die Füßchen und der Boden sind angelötet.

 

Helmut Assheuer (Hellmuth Aßheuer), (geb. 1897 in Halle, gest. 1980 in Halle), absolvierte in den Jahren 1911-1915 eine Goldschmiedelehre. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Juweliersgehilfe und besuchte zwei Semester die Abendschule in der Werkstatt für Metallverarbeitung der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Halle. 1930 war er Mitarbeiter in der Emailwerkstatt auf Burg Giebichenstein.

1935 schloss er die Prüfung zum Goldschmiedemeister ab und leitete bis 1939 die Emailwerkstatt auf Giebichenstein, die er auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Jahre 1963 fortführte.


Kragenobjekt

__________Schenkung 2000_________

 Ines Schwotzer (1969 Annaberg-Buchholz, Erzgebirge) • 1999 • Edelstahldraht,  geklöppelt • Dm. 66 cm, B: ca.22 cm

 

Aus der Entfernung wie zarte Vogelfedern anmutend, erstaunt diese Arbeit durch ihre feste Konsistenz. Diese entsteht durch Flechter aus Edelstahldraht, die zackenförmig auf einem freigeklöppelten filigranen Gewebe befestigt sind.

 

Die Werbegestalterin, Diplomdesignerin und Künstlerin Ines Schwotzer erhielt zahlreiche renommierte Preise für ihre ungewöhnlichen Textilien aus Edelstahl: 1999 den Hessischen Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk, 2008 den Ehrenpreis der Danner Stiftung München und 2009 den Bayrischen Staatspreis.

 

 


Kristall-Lüster

__________Schenkung 2001_________

Das Gut Reichsmark befand sich auf dem Gelände des heutigen Golfplatzes an der Wittbräucker Strasse. Das Gut umfasste ursprünglich ca.160 Hektar Land und gehörte bis zu den 1960er Jahren der Familie Overweg, danach der Stadt Dortmund, die die Gebäude abreißen ließ.

Der Jurist und Abgeordnete der Nationalversammlung für den Kreis Iserlohn-Hamm-Dortmund Carl Overweg (1805 – 1876) gab 1842 seine Juristenlaufbahn auf und erwarb die Güter Haus Ruhr in Wandhofen, das Gut Reichsmark in Syburg und das Haus Letmathe. Für Reichsmark ließ er Mitte des 19. Jahrhunderts ein neues Herrenhaus erbauen, das u.a. mit mehreren böhmischen Kristall-Lüstern ausgestattet war. Erste Lüster mit gläsernen Teilen wurden wahrscheinlich im Jahre 1700 in England hergestellt. Nach 1724 begann Josef Palme in Kamenický Šenov die Produktion von Glaslüstern. 1727 lieferte der Glasmacher Bramberger aus Prag vier zwölfarmige Kristalllüster an Erzherzogin Maria Elisabeth [Marie Alžbžta] nach Brüssel und zwölf Lüster an den Königshof in Paris (zwischen 1751-1766 wurden sie in den Schlössern Versailles, Marly und Choisy eingerichtet). In den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurden schon drei Grundtypen gläserner Lüster gefertigt: Lüster mit Armen, befestigt in einer Schalenkonsole an einer zentralen geradlinigen Stange, Lüster ohne tragende Zentralstange, genannt LYRA oder MARIA TEREZIA (erstmals bei der Krönung der habsburgischen Kaiserin zur böhmischen Königin 1743 vorgestellt) und endlich ein Lüster mit einer Schnurkaskade aus geschliffenen Steinen, befestigt auf einem Metallring mit Kerzen, welche einen Korb am Boden des Leuchtkörpers darstellten.


"Blumenschiff“

__________Schenkung 2003_________

Siegmund Schütz • (1906 Dessau – 1998 Berlin) • Große Blumenschale „Blumenschiff“, • 1953 • Berliner Porzellanmanufaktur • KPM • Porzellan, durchbrochen von verschieden großen Kreisformen, Messingrahmen mit Füßchen

 

Siegmund Schütz kam als Entdeckung des Direktors, Günther von Pechmann, an die Berliner Porzellanmanufaktur, wo er als Ateliernachbar von Trude Petri und Gerhard Gollwitzer dem Ideal der reinen Form folgte. Schütz blieb der KPM bis in die siebziger Jahre, dann als freier Mitarbeiter, verbunden. Ausgebildet als Bildhauer, führte er das figurative Reliefdekor in die Porzellangestaltung ein (Medaillons für das Service Arcadia von Trude Petri).

 

Schütz war als Soldat im Zweiten Weltkrieg eingezogen. Aus der Kriegsgefangenschaft kehrte er nach Selb zurück, wohin das Werk bis 1955 ausgelagert blieb.

 

In seiner Karriere als Entwerfer für KPM hat Schütz über 20 Blumengefäße entwickelt. Das große Blumenschiff ist sicherlich eines der am stärksten zeitgebundenen Werke. Mit seiner eleganten Leichtigkeit, den durchbrochenen Wänden und der dem Boden entrückten Messingstandfläche wirkt es wie ein Sinnbild der Lebenslust der Fünfziger Jahre. Es existiert auch eine kleinere Version mit einer Standplatte aus Holz und Messing, glatten Wänden und farbiger Fassung.

 


Kanne

__________Schenkung 2004_________

 Richard Riemerschmid • (1868 München – 1957 München) •

(1903)1910/11 • Grauer Scherben, Salzglasiert, in Form

 gedreht • H: 22 cm • Ausführung Fa. Merkelbach Höhr-Grenzhausen Modell Nr. 1773

  

Richard Riemerschmid war Gestalter, Maler, Kunstprofessor, Architekt und ein bedeutender Gesamtkünstler des Jugendstils in Deutschland. Er befasste sich zu Beginn seiner Tätigkeit als Entwerfer für Kunstgewerbe ausschließlich und intensiv mit dem Werkstoff Steinzeug. Seine Entwürfe, zusammen mit denen von Henry van de Velde, Peter Behrens und Albin Müller, trugen wesentlich dazu bei, die Westerwälder Steinzeugindustrie als traditionsreiche Töpferregion aus ihrer wirtschaftlichen Notlage zu führen und sie am Aufbruch in die Moderne zu beteiligen.

 

Auch die vorliegende Kanne zeigt seine starke Konzentration auf das Handwerkliche. Das fertige Gefäß scheint noch immer in den verzierenden Seitenstreifen die Daumenabdrücke des Herstellers zu bewahren. Die bauchige, aber elegant zum Ausguss geschwungene Kanne mit ihrem breiten, wie geschmiedet wirkendem Griff scheint der Idee organischen Wachstums aus der formenden Handkraft zu entsprechen. Die Übersetzung der Ideale der „Arts and Crafts“ Bewegung in die ehemals biederen Westerwälder Steinzeugware gelang Riemerschmid so gut, dass auch andere Firmen seine Entwürfe kopierten und dies bis heute tun.

 

 


Spitzenkragen und Spitzenhut

__________Schenkung 2005_________

Sylvia Fedorová • (Banska Bysrica in Zentralslavonien) •

Spitzenkragen und Spitzenhut • Metalldraht geklöppelt

 

Sylvia Fedorová studierte in Wien und Prag an den Akademien für angewandte Kunst, lebt seit 1970 in Bratislava. Sie ist eine der bekanntesten Künstlerinnen, die mit Spitze aus verschiedensten Materialien arbeiten. Sie gestaltet zarte Gespinste, geklöppelt aus Nylon, Metall und anderen Kunststoffen. Frei nach dem Märchen von der Müllerstocher, die mit Zauberkräften Stroh zu Gold spinnen kann, entstand feiner Körperschmuck aus Materialien wie Plastiksäcken, Nylonschnur und zarten Kupferdrähten.

 

1987 gewann sie den Goldenen Spitzen-Klöppel der dritten Spitzen Biennale in Brüssel für eine Arbeit aus 17 schwarz-weißen Seide/Baumwolle Objekten, die sie jeweils mit 40 Paaren von Klöppeln erstellt hatte. Seit den 90 er Jahren arbeitet sie an exzentrisch geformten Hüten aus Raffia, das sie mit Kupferdrähten unterstützt. 1990 eröffnete sie die Galerie X, um slowakische Textil- und Strukturkunst zu zeigen.

 


Zweiflammiger Tischleuchter

__________Schenkung 2010_________

Joseph Maria Philipp Olbrich • (1922 Troppau/Opava – 1908 Düsseldorf) • Zweiflammiger Tischleuchter, um 1902 •

Metallwarenfabrik Eduard Hueck, Lüdenscheid • Edelzinn H: 36,1 cm, B Fuß: 17,5, B oben: 19 cm • Marken: „EDELZINN

1819“, „E. HUECK“ im Kreis, Olbrich Monogramm „OL“ im Viereck, „Modell Nr. 1819“

 

Der zweiarmige Leuchter mit dem maskenhaften Jugendstil-Ornament wurde einer der beliebtesten Entwürfe des Gründungsmitgliedes der Wiener Secession Olbrich. Der Architekt und Leiter der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt hatte bei Otto Wagner in Wien gelernt und vertrat die Ideen des Wiener Jugendstils nicht nur in seinen Bauten, sondern der Gesamtkunstidee entsprechend auch bei den Inneneinrichtungen bis ins kleinste Detail.

 

Die Herstellung der kunstgewerblichen Einrichtungsgegenstände aus minderen Metallen sollte sie kostengünstig und damit für jeden erschwinglich machen. Tatsächlich haben sich die Gestaltungsideale des Jugendstils gerade in den Gegenständen aus Zinn oder Bronze besonders lange tradiert.

 

 


Dreiflammiger Tischleuchter

__________Schenkung 2010_________

Hugo Leven • (1874 Düsseldorf-Benrath - 1956 Bad Soden-  Salmünster) • Dreiflammiger Tischleuchter, sogen. „Fledermausleuchter“ 1904 • L.J.P. Kayser & Sohn, Krefeld • Modellnummer 4506

  

Der Fledermausleuchter ist eine Inkunabel des Jugendstil-Kunstgewerbes. Hier fand als Vorlage für das Ornament nicht ein besonders elegantes Tier Verwendung, sondern ein besonders seltsames. Die weitaufgespannten, segment-betonten Flügel des Tieres boten Anlass zu einer kantigen Ausformung des Leuchter-Schaftes und seiner Arme. Nicht nur der eigenartige Körper sondern auch das Paradoxon, ein lichtscheues Tier als Kerzenhalter zu nutzen, verleihen dem Leuchter Witz und Skurrilität.

Leven studierte an der Kunstgewerbeschule und dann an der Kunstakademie Düsseldorf. Engelbert Kayser stellte ihn als ersten Mitarbeiter in seinem Atelier ein. Von 1895 bis 1904 entwarf Leven zahlreiche Modelle für Kayserzinn; seine Werke beeinflussten die Zinngießerei des Jugendstils nachhaltig. Von 1909 bis 1933 lehrte er an der Zeichenakademie der Fachschule für Edelmetallindustrie in Hanau, deren Direktor er wurde. Zu seinen Schülern gehörte Wilhelm Wagenfeld. 1933 verlor er seine Stelle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete er den Wiederaufbau der Zeichenakademie, die 1947 wieder ihren Betrieb aufnahm.

 


Teekanne "Laube" und zwei Teeschälchen

__________Schenkung 2012_________

Barbara Hast

birnenförmig, Relief-Pünktchen-Dekor/Ranken, korallenartiger Henkel, 2010 

 


Barbara Hast

Relief-Pünktchen-Dekor /Ranken, innen glatt 

 

 

Barbara Hast gehört zu den wenigen Kunsthandwerkern, die sich mit dem Material Porzellan beschäftigen. Im Gegensatz zu heute üblichen Industrieprodukten entwirft Hast nicht nur die Form ihrer Objekte, sondern stellt sie als Einzelstücke selbst her.

Die besondere Gestaltung der Außenseiten mit Reliefdekoren, die einmal mit Knötchen eine Gänsehaut simulieren oder mit Blütenranken die Laube auf der Teekanne wachsen lassen, machen diese Objekte zu besonderen Wesen mit hoher haptischer Qualität und märchenhafter Anmutung.

 


"Fumarole"

__________Schenkung 2015_________

Barbara Hast, helle Keramik, 2014, H: 45 cm 

 

Die Keramikerin aus Bremen mit eigener Werkstatt in Neuendorf ist regelmäßig auf der Kunsthandwerkermesse im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe vertreten. Die hohe Vase hat die Anmutung einer zerbrochenen und geflickten Porzellanvase. Bei genauer Betrachtung erschließt sich die architektonische Schönheit, das Spiel von Licht und Schatten an den harten „Bruchkanten“. Wie bei vielen ihrer Werke wirkt der Gegensatz von hart in der gebrochenen Form und von weich in der großen Linie spielerisch und anziehend.

 


"Kleeblattmuster"

__________Schenkung 2016_________

Theodor Grust (1859 – 1919)

Entwurf Theodor Grust 1901/02, Ausführung Meißen, 

um 1904-10

bestehend aus Tablett, Teekanne, Sahnegießer, Zuckerdose mit Deckel, zwei Teetassen auf Untertassen, zwei Brötchen- / Desserttellern. Porzellan, glasiert, Scharffeuermalerei in grün-blau. Untertasse mit Formnr. "S190" und Preßnr. Böden mit Schwertermarke und Malerzeichen in Unterglasurblau. 


 

Dieses 1902 entworfene Service gilt als Grusts erster Entwurf für Gebrauchsgeschirr. Die anspruchsvolle Ausführung mit Malerei im engen Spektrum der Unterglasurfarben wirkt sich in den Farbschwankungen aus. Sie sind auch ein Zeichen dafür, dass trotz der seriellen Herstellung, alle Arbeitsgänge noch handwerklich durchgeführt wurden. 

Der Name "Kleeblattmuster" stammt von der stilisierten Blattornamentik mit drei oder vier Blättern. Eingebettet werden die Blattmotive in Bänder mit Wellendekor. Das Tablett vervollständigt das Service zum „Dejeuner“, zum kleinen Frühstücksservice. Es nimmt die Form des Kleeblatts auf und zeigt vier Ausbuchtungen. Insgesamt ist es ein sprechendes Zeugnis für die im Jugendstil gesuchte Verbindung von Natur-und Funktionsform.


Große Jugendstil Zinn Jardiniere

__________Schenkung 2016_________

Friedrich Adler, Modellnr. 717, Osiris, Nürnberg, um 1900 

Friedrich Adler (1878 – 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau), seit 1927 Professor an der Kunstgewerbeschule in Hamburg, war als Architekt, Möbelgestalter, Keramiker und vor allem durch seine Entwürfe für Metallarbeiten und Textildruck-Verfahren bekannt. Er war wie viele der Jugendstilkünstler an einer kunstgewerblichen Herstellung seiner Entwürfe interessiert und lieferte Vorlagen für über 50 Betriebe, unter anderem für die Metallwarenfabrik für Kleinkunst „Osiris“ von Walter Scherf in Nürnberg. Die Produktion umfasste hochwertige Gebrauchs- und Ziergegenstände aus Zinn, Kupfer und Silber sowie Legierungen dieser Metalle.

Die Jardiniere besticht durch die elegante, gelängte Form und ihr sehr spezielles Muster aus sieben Früchten über einem symmetrisch verschlungenen Bandelwerk. Sie weist noch den originalen Glaseinsatz auf, den der sechsbeinige Metall-Corpus wie eine Zange hält.



Vase

__________Schenkung 2018_________

Entwurf und Ausführung Glasmanufaktur Johann Loetz-Witwe Klostermühle, ca. 1900 

am Boden signiert „Loetz Austria“, mit Dekor Phänomen Genre 29 
mundgeblasenes Glas mit eingewalztem Silberoxyd, im Reduktionsofen irisiert, sehr schöne, klare und schillernde Zeichnung,
Formentwurf um 1899, Höhe 23 cm 

 

Zum Ende des 19. Jahrhunderts erreichte eine österreichische Firma Weltruhm mit ihren mundgeblasenen Glasvasen in schillerndsten Farben: Johann Loetz-Witwe Klostermühle.

Das Glas schillert metallisch und konnte kunstvoll alle Arten von Onyx, Jaspis, Carneol, Malachit und Lapis imitieren. Unter Max Ritter von Spaun expandierte die Firma im böhmischen Wottawattal. Die aus der Fabrik hervorgegangenen Luxusgläser erwarben die höchsten Auszeichnungen und wurden mit der Zeit zum Inbegriff für ein besonderes Jugendstil-Objekt. Die Weltausstellungen der Zeit wurden mit Erzeugnissen der Firma beschickt und mit den höchsten Auszeichnungen prämiert, unter anderem dem Grand-Prix Paris 1889, Prix de Progrès und Ehrendiplom Brüssel 1888 sowie mit Ehrendiplomen aus Wien, München, Antwerpen, Chicago, San Francisco sowie der Weltausstellung 1900 in Paris.

Josef Hoffmann, Koloman Moser und die Wiener Werkstätten lieferten Entwürfe.


Vase

__________Schenkung 2018_________

Richard Riemerschmid (1868 -1957)

Entwurf: 1904

Feinsteinzeug, zyklamrot glasiert, Fadenreliefdekor blau ausgemalt, in die Form gedreht, 

Gefäßinneres grün glasiert

Am Boden bez.: 1797 H

Ausführung: Firma Merkelbach, Grenzhausen, ca. 1904/05

Höhe: 39,5 cm

 

Richard Riemerschmid ist als Innenausstatter, Möbelentwerfer und Architekt einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Jugendstils. Als sozial eingestellter Reformer wird er 1906 Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. Zu dieser Zeit ist er bereits der wichtigste Entwerfer der Dresdner Werkstätten, für die er ab 1907 die Gartenstadt Hellerei entwerfen und bauen wird. Mit seinen Inneneinrichtungen aus der Zeit des Jugendstil und seinen Gartenstadtprojekten hat Riemerschmid die Gestaltung der deutschen Wohn- und Lebenswelt in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt

 

Die imposante rote Vase mit einem Dekor aus stilisierten Rosen um den Halsrand und als Medaillon auf dem Vasenbauch hat die Form von einem langhalsigen Flaschenkürbis. Diese naturnahe Anmutung entspricht der Formensprache Riemerschmids.

Sie gehört zu einer Gruppe von insgesamt vier Vasen, die Riemerschmid allesamt 1904 für die Westerwälder Firma Robert Merkelbach entwarf. Außer in zyklamrot wurde sie mit grauer, blauer und brauner Glasur hergestellt.

 

 


Seidel mit Zinndeckel

__________Schenkung 2018_________

Entwurf: Richard Riemerschmid

Entwurf: 1900/1901

Feinsteinzeug, Ausführung: Villeroy & Boch, Mettlach, Modell Nr. 2685., Blindstempel RR, für Vereinigte Werkstätten München

erworben aus Privatbesitz

 

Richard Riemerschmid fertigte seine ersten keramischen Entwürfe im Auftrag der Vereinigten Werkstätten München, die diese bei Villeroy & Boch in Mettlach zur Präsentation auf der Pariser Weltausstellung 1900 produzieren ließen. Es handelte sich um insgesamt 4 Entwürfe für Seidel, die sich eng am französischen Steinzeug der Zeit orientierten. Das Modell 2685, später auch mit Dekoren versehen, war ursprünglich von Riemerschmid dekorlos in mehrfarbiger Laufglasur entworfen worden und war so in Paris zu sehen. In Paris fehlte noch der Zinndeckel, für den Riemerschmid aus Zeitgründen erst im darauffolgenden Jahr den Entwurf lieferte.

Das für das Dortmunder Museum erworbene Exemplar entspricht dem ursprünglichen Entwurf ohne Dekor mit elfenbeinfarbenem Scherben und türkis und blau verlaufender Glasur. Der Daumenrast geht in geschwungener Form in den Deckel über.

Anders als später mit der Westwälder Steinzeugfabrik R. Merkelbach war Riemerschmid nie direkt mit der Firma Villeroy & Boch in Verbindung getreten.

 


Teppich "Glockenblume"

__________Schenkung 2018_________

Entwurf: Josef Hoffmann, 1907

Ausführung: Backhausen & Söhne, Wien, 1912;

Wolle, 175x88 cm

erworben im Kunsthandel Bel etage, Wien

 

Josef Hoffmann (1870-1956) zählt mit Josef Maria Olbrich und Leopold Bauer zu den Begründern der Wiener Secession und gilt als einer wichtigsten Vertreter der Wiener Moderne. Dabei wirkte er als Architekt, der im Sinne des Gesamtkunstwerks auch alle Sparten der Innendekoration mit berücksichtigte. Nach internen Auseinandersetzungen verlässt er 1905 die Secession; zuvor begründete er 1903 mit Koloman Moser die Wiener Werkstätte (WW). Als Hauptkunstwerk des Wiener Secessionsstil gilt das von ihm in den Jahren 1905 bis 1911 errichtete Palais Stoclet in Brüssel, dessen Ausstattung komplett in den Händer der WW lag. Für das Palais entwarf er zwei Teppiche, die vom Unternehmen Backhausen in Wien hergestellt wurden. Die Firma Backhausen bestand seit 1849 und war auf den Weltausstellungen vertreten. Mit der WW arbeitete sie eng zusammen.

Der Entwurf "Glockenblume" mit der Nummer Dess.7741 wird im Archiv der Firma aufbewahrt. Außer für das Palais Stoclet wurde dieser Teppich u.a. auch für die Villa Ast und für Gustav Klimts Atelier in der Feldmühlgasse in Wien-Hietzing verwendet.

 

 


Uhr

__________Schenkung 2018_________

Entwurf: Albin Müller (1871-1941)

Ausführung: Eisengießerei Fürstlich Stolberg'sches Hüttenamt, Isenburg am Harz, 1903/04,

Gußeisen, Emaille, Messing; 55x27x19 cm

 

Ab 1900 als Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Magdeburg und ab 1906 an der Künstlerkolonie in Darmstadt tätig, gilt er als einer der begabtesten Innenarchitekten der modernen Bewegung. Nach dem Tod von Josef Maria Olbrich übernimmt der die Leitung der Mathildenhöhe bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

 

Bereits seit 1903 bewirkt er als „künstlerischer Berater“ der Fürstlich Stolberg'schen Eisengießerei Ilsenburg (Harz) mit seinen Entwürfen die Wiederbelebung des künstlerischen Eisengusses.

Die Tischuhr mit einem spitzbogigen Uhrengehäuse im Giebelfeld und an den Seiten ist ein prominentes Stück aus dieser Zeit. Das Zifferblatt ist mit römischen Ziffern und durchbrochenen Zeigern gestaltet, auf dem Pendel befindet ein Raubvogel aus Messing. Die Uhr wurde auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis als Teil eines von Albin Müller konzipierten Schauraums präsentiert.

 

Dieses Objekt wurde mit Mitteln der Reinoldigilde zu Dortmund e.V. erworben.

 

 


Vase

__________Schenkung 2019_________


Entwurf: Jutta Sika

Ausführung: Johann Loetz-Witwe Klostermühle

Dekor Tricolor Phänomen Genre 299, 1902

Glas mundgeblasen, reduziert und irisiert, mehrfach eingedrückt, signiert

Höhe 20 cm, Durchmesser 10,5 cm

erworben im Kunsthandel Kolhammer, Wien

 

Die Glasmanufaktur Loetz-Witwe fertigte neben hütteneigenen Entwürfen auch Glasobjekte im Auftrag und nach Vorgaben von Glasverlegern an. Die Keramik- und Glaskünstlerin Jutta Sika hat diese Vase für die Firma Bakalowits Söhne im Jahr 1902 entworfen.

 

Sika, eine Schülerin Koloman Mosers, stimmte dabei die Form des Gefäßes perfekt auf das Muster des "Tricolor" genannten Dekors ab. Im "Faltenwurf" des gedrehten Glases kommt die Irisierung der drei Farben Gelb, Rot und Blau besonders gut zur Geltung. Auch formal gelingt es der Künstlerin, das Thema der Dreifarbigkeit in die Glasform einzuarbeiten und das Tricolor-Motiv in der dreieckigen Mündung zu zitieren. Wie leicht aufsteigende Luftbläschen unterstreichen versprenkelte Silberkrösel die sich nach oben verjüngende Vasenform.

 

Dieses Objekt wurde mit Mitteln der Reinoldigilde zu Dortmund e.V. erworben.

 


Vase

__________Schenkung 2019_________

Entwurf: Leopold Bauer

Ausführung: Loetz-Witwe Klostermühle

Dekor Titania opal mit blattgrün, Genre 4252

um 1906/07

Höhe 20 cm, Durchmesser

erworben in Kunsthandel Bel etage Wien

 

Seit ihren Erfolgen auf der Pariser Weltausstellung arbeitete

die Glashütte Loetz Witwe mit zahlreichen renommierten

Künstlern der Wiener Moderne zusammen. Leopold Bauer

(1872-1938) zählte mit Josef Maria Olbrich und Josef Hoffmann zu den Gründern der Secession. Mit letzterem hatte er in Brünn die Staatsgewerbeschule absolviert und anschließend Architektur bei Carl von Hasenauer und Otto Wagner studiert. Er gilt als eine der markantesten Persönlichkeiten der österreichischen Architektur im frühen 20. Jahrhundert, eine besondere Rolle kommt ihm durch

seine theoretischen Reflexionen zu.

Später revidierte er seinen avantgardistischen Standpunkt und wechselte zu einem neuen Historismus. Manchen gilt er wegen seiner kritischen Überlegungen zur Moderne und seiner Vorliebe für Historismus und Eklektizismus als "Vorläufer der Postmoderne".

Neben seinen Bauten, zu deren Hauptwerk die oesterreichische Nationalbank gezählt wird, lieferte er auch Entwürfe für das Kunstgewerbe, darunter zahlreiche für Loetz-Witwe. In der Sammlung des Museums befindet sich ein von Bauer entworfener Kabinettschrank mit Intarsien von Maximilian Lenz, der 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis ausgestellt war.

 

Dieses Objekt wurde mit Mitteln der Reinoldigilde zu Dortmund e.V.erworben.


Vase

__________Schenkung 2019_________

Glas mit deckend aufgesponnenem Zwischenschichtdekor in grünlichgrau, 

schief gewalzt, Glashütte Johann Loetz-Witwe, Klostermühle 

Form PN II-3888, 1906 

Höhe 19,5 cm 

 

Der von Josef Hoffmann und anderen bekannten Wiener Jugendstil-Künstlern verwendete Dekor blieb bis 1913 in der Produktion. Im Kontrast zu vielen Loetz-Vasen, die von den irisierenden Effekten und der Mehrfarbigkeit leben, besticht der Typus der sogenannten Melusin-Vase durch ihre einfarbigkeit und lenkt das Augenmerk auf die meist klassisch Form. Die Technik der schiefen Walzung und der 

Zwischenschichtdekor veredeln sie und lassen sie zeitlos wirken. Sie weisen damit bereits in die nahende Moderne. Außer den grünlichgrauen kamen auch andere Farbtöne zum Einsatz, häufig etwa auch in kobaltblau. 

 

Dieses Objekt wurde mit Mitteln der Reinoldigilde zu Dortmund e.V. erworben.